Dienstag, 2. Mai 2017

Scharlatanfilter zum Erkennen von Fensterattrappen

Hat die DIN5034 zum Tagesinnenlicht eine Chance auf Anwendung bei Gebäudebestand? Wie muss Qualitätssicherung beim Makeln erfolgen?

Während meines Erziehungsurlaubes in den 1990-ern veränderte sich mein Arbeitsplatz: Die Panoramafenster des alten OP-Penthouses der Chirurgie im Haus 21 der Uniklinik Dresden wichen der fensterlosen postmodernen OP-Variante im Haus 59.

Ich hatte Jugendstilfenster in meiner Wohnung, sodass ich den Unterschied als einschneidend erlebte. Deshalb beantragte ich noch während des Erziehungsurlaubes, als ich das Haus 59 vor Eröffnung zum Tag der offenen Tür betrat, Teilzeitarbeit. Die wurde vom ebenfalls neuen Klinik-Chef nicht genehmigt.
Mangels Nachtschlaf wurde ich dadurch innerhalb weniger Monate derart krank, dass ich stationär in der Psychiatrie aufgenommen werden musste. Danach wurde ich mit Psychopharmaka gedeckelt in der neurochirurgischen Anästhesie eingesetzt, wo selbst künstliches Licht nur sparsam verfügbar ist. Den dort in der Regel lediglich stundenweise tätigen Operateuren, die sich bei längeren Eingriffen auch abwechselten, schien das nichts auszumachen. Ich bat deshalb täglich unmittelbar nach OP-Beginn den Trakt zur Prämedikation gen Tageslicht verlassen zu dürfen, was mir nicht grad viele Kollegen zu Freunden machte.
Nachdem die Betriebsrätin, die mich bei der Verhandlung um Teilzeitarbeit vertreten hatte, kurz nach dem Kadergespräch an einem Elektiveingriff verstarb, hatte ich nicht mehr den Mut, mit ihrem Nachfolger um mehr Tagesinnenlicht am Arbeitsplatz zu kämpfen. Ich nahm an, dass künftig überall im OP ähnlich wie beim Kinokartenabreißen Kunstlicht zu verkraften sein wird, gab den Beruf in der Anästhesie auf und nahm die Ausbildung zum Medizinjournalisten auf.

Dadurch hoffte ich sogar am offenen Fenster arbeiten zu können, zumal mich Insekten beim Schreiben nicht stören. Leider zwang mich ein Nachbarschaftsstreit an Umzug in eine andere Wohnung zu denken.
Ich konnte meiner Verzweiflung auch nicht Luft machen, da mein Notebook kaputt war, sodass ich nicht ins Internet kam, um eine Lobby zu bilden. Hinzu kam ein scheinbar aus dem Nichts auftauchender, mir bis dahin Fremder mit Stalkerqualitäten. Der setzte mich damit unter Druck, dass er seine Wohnung gekündigt habe und ansonsten von Obdachlosigkeit bedroht sei, wenn er nicht bei mir einziehe. Ich konnte mir nicht vorstellen, auch nur tageweise mit ihm gemeinsam zu leben. 
Ich war zeitlebens ein kritischer Geist, aber in dem Moment derart eingeschüchtert, dass ich nur weg wollte, egal wo hin.

Denn allmählich begriff ich, was eine Kollegin von mir durchmachen musste, bevor sie Selbstmord beging: Der Übergang vom schwellenfreien Datenzugang als Anästhesist zum „Normalbürger“ war für sie tödlich. Ihr eigener Mann und Kollege schirmte sie vollständig ab. Insofern rechnete ich nicht mit allzu viel Empathie, auch nicht in der mir neuen abweisenden Umgebung: Die Wohnung, in die ich überstürzt eingezogen bin, ist allerdings dunkel. So dunkel, dass ich erneut krank wurde. Von außen fällt das nicht auf, da sie Fensterattrappen hat.

Fensterattrappen an sämtlichen Dachfenstern - an einem Fenster rot umrandet.

Als ich mit dem Makler und meinen Eltern im Inneren der Wohnung stand, behauptete der Makler, sie sei hell. Aber nachdem ich jetzt 2017 bei einem zweiten Haus in meiner Wohnumgebung den „Fenstergag“ noch perfektionierter sehe, nun meine Fragen:

  • Gibt es ein Scharlatanfilter, um Fenster bereits anlässlich der Freigabe von Gebäudebauplänen von Attrappen abzugrenzen – egal ob Karstadt, Altmarktgalerie, Schillergalerie, Haus 59 oder die Dachwohnungen der Bärensteiner Straße 14? 
  • Welche Chance hat die Anwendung der DIN5034 auf Baubestand? Dass selbst das dem Centrum-Warenhaus aus DDR-Zeiten nachempfundene Gebäude auf der Prager Straße nur mit Innenhoflicht andeutungsweise der DIN 5034 gerecht wird, hab ich persönlich als Verkäufer dort begreifen müssen. 
  • Wie muss Qualitätssicherung beim Makeln erfolgen? 
Soundtrack zum Lesen: Rainhard Fendrich - Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk - 1995

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Dann muss die Ukraine ja regelrecht aufblühen, seitdem keine Russen mehr dort um politisches Asyl bitten. @blackrock https://t.co/WCoNu3nYO...