Ich bin kurz nach dem Mauerbau geboren und tauchte dadurch in vielen Familienalben meiner Eltern an Vaters Eltern im Schwarzwald auf. Im Osten hat man davon wenig gespürt. Aber als nach dem Tod der Großeltern die Alben retour kamen, war es schon ernüchternd für mich, die Alben und die Kommentare durchzublättern. Das dramatischste Fazit: Jeder glaubte von Anfang an zu ahnen, was ich will, ohne mich selbst je gefragt zu haben. Das gipfelte dann in dem Selbstverständnis unserer Mutter, uns selbst zu unterrichten, um den Vorführeffekt im Kiez noch weiter zu eskalieren. Mein großer Bruder hatte sie in seinem ersten Jahr nach unserem Umzug in den Süden sogar als Klassenlehrerin. Später entschied sie dann über unsere Lebenspartner und profilierte sich als Oma. Fazit: der Onlineauftritt ist nur die Spitze des Eisberges. Entscheidend ist der Alltag und der Handlungsspielraum, der für die Begluckten bleibt. Am Montag wurde sie bestattet. Es war das erste Mal, dass mein Bruder verlangte, das wir Drei zusammenhalten. Ja, sie hat für uns Kinder viele ihrer eigenen Ziele hintenangestellt, aber ich hatte sie nie darum gebeten. Meine Kinder reagieren inzwischen genau wie ich: Kein Kommentar über mich ohne mich - und dann auch nie in der dritten Person. Ihre Schule war für mich während ihrer gesamten Ausbildung eine NoGoArea, ihre Freunde ihr Geheimnis. Trotzdem nutzt mein Sohn inzwischen drei Sprachen, die ich nicht beherrsche: Thai, Chinesisch und Französisch, sodass ich inzwischen Französisch lernen muss, um von meinen Enkeln verstanden zu werden. Kinder sind keine Lastenbrücken sondern Menschen mit Recht auf Distanz.
23:43 Functional Nanorobots For Titans ... #JanusMotors
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