Mittwoch, 13. April 2022

Müller 9:43 Du hast einen Notfall - mitten im peripheren Elektiveingriff - einen Bigeminus, den du so nur aus der Vorlesung kennst, rufst deinen Vordermann und der schreit den Operateur an. Glaube mir, du rufst kein zweites Mal nach Hilfe. Die zitternden Hände in der Massenblutung danach zu ertragen, war die Hölle. Der zweite Vordermann vertiefte dann die Narkose wie ein x-beliebiger Kardioanästhesist, blieb und schwieg. So schön Leidenschaft ist, so beschissen wird sie, wenn du gemeint bist. Als das neue Chefchen dann fordert, ich soll mich bei allem, was mir neu ist, rufen, hab ich es abgelehnt. Wer spinnt schon gern Stroh zu Gold? Als ich dann selbst in der Kardioanästhesie hospitierte, der Operateur den Muskel wie ein Steak ruhen ließ und Kaffee trinken ging, nachdem sein Co. mit »Kein Sex im OP« meinen Versuch des Blickkontaktes kommentierte, war mir klar: Koagulieren darf nicht jeder überall. Es sickerte. Aber so richtig verstanden habe ich es erst, als mir mein Nachbar von seiner Herz-OP erzählte, bei der die Narkose offensichtlich auch extrem flach gefahren wurde, um Reagibilität als solche auszulasten. Der zweite Vordermann hatte mir vorher transnasale Hypophysen und Stereotaxien im Standby. Ihr Slogan: Wer reanimieren will, muss nett bleiben. Blickkontakt lenkt da ab, Stimmfärbung muss genügen. Die klang permanent wie Erotikhotline, auch wenn um sie rum das Chaos tobte. Das Sympathischste? Bei ihr hatte ich nie Überstunden.
Erotikhotline 9:56 Distanz schützt.
Stell dir vor, du verliebst dich in einen Job und begegnest danach einem Bewerbungsberater: Ist das dann noch dein Traumjob oder nur ein Ticket für die Geisterbahn? Wer sich als austauschbar erlebt, wird austauschbar - das ist nicht nur im OP-Saal so: "Welches Bein würden Sie denn heute gern operieren? Mein linkes? Da bin ich ganz bei Ihnen!" Bleib locker, es ist ja nur ein Bein und nicht dein Leben. Weiterarbeiten!
wenn sie pech hat, lässt ihr mann sich scheiden mit einstweiliger verfügung auf einhaltung eines mindestabstandes zur gesamten familie, beansprucht das alleinige sorgerecht und lebenslang unterhalt. angesichts ihrer überlastung stünde dann als mindestforderung eine psychotherapie im interesse der familie an: jemand der sich für dich entschuldigt, ist ein risikofaktor für dich, egal wie angeschlagen du sonst bereits bist. da sind staatliche unterstützungen für die familie sicherer als diese stressige personalie. so viel zu kulturwerten einer echten demokratie. alles andere wäre ein fall für nils melzer zum ausschluss von häuslicher gewalt. wer 150 leichen im keller hat, ohne eine stressreduktionstherapie zu beginnen, ist eine zeitbombe.

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Ist der Dativ Absicht? Oder war das wer wen wem nur zum Innehalten gedacht? Mir ist bewusst, das jemand, der als 33jähriger in der Psychiatr...