Dienstag, 30. Mai 2023

Ruhe & Gelassenheit provoziert nur wenige. Wenn dann trotzdem Angriffsfläche bleibt, kostet es manchmal erstaunlich viel Kraft, Interesse als Wohlwollen zu bewerten - als ein erweitertes Selbstgespräch, in das man zufällig als Vertrauensperson einbezogen wird, während der Andere scheinbar den Hinzukommenden und nicht sich selbst einer gnadenlosen Zensur unterzieht. Dann hilft es mir oft, mich als Hintergrundrauschen seiner Gedanken einzuordnen, statt Parallelen zu meinen Erfahrungen als Seitenhiebe zu bewerten. Denn diese Parallelen erschließen sich erst, wenn sie ihm tatsächlich offensichtlich werden. Ihm diesen Zeitpuffer zu gönnen, ist ziemlich erwachsen. Denn er bietet Raum für neue Ideen. Ich bewerte mittlerweile das Ausmaß der Wut als tatsächliche Anteilnahme, auch wenn es nur in den seltensten Fällen mich meint, sondern eher die Erinnerung an etwas Schmerzhaftes oder an etwas schmerzhaft Vermisstes. Das Heftigste, was mir dabei mal passierte, war ein Kommentar meiner Chefin: "Keiner kann Sie leiden." Sie sagte das mit so einer Empörung, dass ich sie fast umarmt hätte. So nah war sie mir sonst nur, wenn ich ihre Hände sah - warm, ruhig und mit Venen, gefüllt wie pralle Wasserschläuche - Hände, denen sich jeder bedingungslos ausliefern würde. Diese heilige Wut erleben zu dürfen, war ein Geschenk, was immer sie auch grad überlegt haben mag. Lutz Jahodas "Gut, Helga", bringt heute wahrscheinlich nur noch wenige zum Lachen. Mit einem bisschen Blinzeln taucht sogar Lotte Ulbricht in dem Gesicht auf. Die blieb ja auch kinderlos, zumal Walter bereits Vater war.

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