Montag, 6. Juli 2015

dickes fell & gelassenheit

als ich andreas von meiner ohnmacht bei der narkoseeinleitung erzählt hatte, fiel mir wieder ein, dass ich am vortag elektrodenpaste beim selben gegenüber genommen hatte, weil er unter spinalanästhesie etwas zum einreiben wollte, ich aber nix anderes da hatte. ihm schmerzte kurz die schulter vom liegen. daher sein wunsch. im monitoring war ein ekg-gekrisel zu sehen, das ich nicht einordnen konnte, aber nicht in irgendeiner weise zu hinterfragen wagte, sondern einfach tat, was er verlangte, als hätte ich den monitor nie gesehen. in dem moment kam die oberärztin rein, schaute auf den monitor, riss die augen weit auf, sah uns beide an und ging. dass beim einreiben einer schulter mit elektrodenpaste das ekg nicht den strom wert war, den die ableitung verbrauchte, war offensichtlich. ich hab mein hantieren nur mit estutweh kommentiert. ihre stumme diagnose? ich sei verrückt. inwiefern es verrückt ist elektrodenpaste zu nehmen, wenn kein öl zum ankoppeln da ist? das zinkoxid ist recht pastös und scheuert, sobald die bewegungen nach für dritte sichtbar werden. und das sichtbarwerden ist bei einer raumdichte von mindestens vier maximal wachen personen pro quadratmeter unvermeidlich. aktionismus. jedenfalls war er danach fit wie ein turnschuh im gegensatz zu dem gegenüber, dem ich jahre zuvor mitten in der embolie ein ekg am bett abgeleitet hatte und schilderte, was ich auf dem monitor sah. bei dem kippte die situation vom gelassenen grinsen unmittelbar in todesröcheln. totalüberwachung ist der absolute gau. du weißt nicht, was henne und was ei ist, sobald du veränderung kommunizierst. zu erfassen, wo die maschine signalquelle wird und was tatsächlich der an das gerät angeschlossene mensch verursacht, wird wohl in den seltensten fällen eindeutig möglich sein. gut wenn dann wenigstens raum für emotion bleibt. fakt ist, dass panik sofort vom beobachter auf den beobachteten übergeht. und den beobachteten trifft es wie eine urgewalt. jede befürchtung verstärkt er maximal. elektrodenpaste ... ob man eine embolie elektrisch angekoppelt anders erlebt? wie beim tandemsprung? das waren alles sekundenbruchteile. eine extreme nähe. irrational zu sein, kannst du dir da nicht leisten. maximal langeweile. gelangweilt auszusehen ist dann wahrscheinlich das beste, was man für seinen gegenüber überhaupt tun kann, falls langeweile normalität ist. vorhin stellte mich andreas jemandem als wichtig vor. kurz danach fand er es wahrscheinlich selbst blöd. wahrscheinlich war ich wieder mal zu nah. immerhin wurden wir nicht aus nackter angst synchron bewusstlos. offensichtlich war ich ein stück weiter. irgendwann funktioniere ich vielleicht wie ein ganz normaler passant. patientennah mit der fehlersuche zu beginnen, sobald ein wert abweicht, finde ich nach wie vor aggressiv, auch wenn es wichtiger ist, den menschen zu erfassen als die maschine. lieber verlasse ich die situation. heute setzte bei einem notebook mehrfach lageabhängig das internet aus - ganz ohne dis- und rekonnektion. darauf einzugehen hab ich mir verkniffen. scheißweltverschwörung überall. oder eben zufall. aber das ist wohl das gleiche.

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