Dienstag, 17. Oktober 2017

Dankbarkeit & Ironie

Ich bin vor der Wende oft getrampt, aber nie als Sexobjekt betrachtet worden. Stattdessen hab ich eine Menge Fragen beantwortet bekommen. Es ist erstaunlich, was Fahrer alles zu erzählen haben, zum Beispiel

  • was sie ursprünglich dazu bewog den Weg zurückzulegen, 
  • worauf sie sich besonders freuen und 
  • wovon sie träumen.

Als ich das während einer Straßentheatertour der Schnellzeichnerin erzählte, meinte sie: "Wer nur Dankbarkeit erlebt, hat etwas verpasst."


Hab mich trotzdem aufs Handlesen zum AbendbrotFinanzieren beschränkt und nicht Zettel und Stift in die Hand genommen. Ehrlichgesagt war es auch ein gut Stück Faulheit: Zum Handlesen brauchte ich kein Material zu schleppen, da war alles griffbereit vor Ort.

Das war später auch der Hauptgrund dafür, dass ich einen Doktorvater für ein Hypnosethema suchte: Trotz Minimalflow hatte ich Schiss im OP-Saal schwanger zu sein.

Und TIVA gab es damals nur in der Neuroanästhesie, also in Räumlichkeiten, in denen es zappenduster und bedrückend still war - auch wenn andernorts außerhalb des Mäusekinos Festbeleuchtung machbar zu sein schien. Operateure störte das weniger, die blieben meist nur kurz am Tisch und wechselten innerhalb der bis zu neun Stunden dauernden Eingriffe mehrfach entsprechend der Hackordnung, kamen also ins Freie. Die Anästhesisten hatte es dank OP-Bestuhlung ähnlich am Arsch wie die Verkehrsredakteure in den 3. ARD-Radiosendern, die scheinbar auch schüttgutmäßig verheizt werden.

Und so toll der Migrationstipp "Dann mach doch Spinalanästhesien!" auch klang: Wer eine Spinale bekam, wurde auch geröntgt, falls er nicht die Harnröhre schälend erweitern ließ. In Orthopädie und Traumatologie kam frau so vom Regen in die Traufe.

Inzwischen redet keiner mehr von Hypnose, sondern "man" beschränkt sich nur noch auf die Formel: "Sag das, was du auch erleben willst." Hypnose ist eben Arbeit.

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