Montag, 2. Oktober 2023

Es ist ein dominantes Filter, dem sich jede weitere Wahrnehmung unterordnet: Du grokst eine Situation so lange, bis das geliebte Wesen sonnig und glücklich erscheint, und schreibst diese einseitige Nähe deiner eigenen Attraktivität zu, bis du das erste Mal zu stutzen beginnst, weil das ersehnte Feedback ausbleibt. Dann weicht diese angenehme Empfindung gleißendem Hass, du beginnst dich schwarz zu ärgern und das gesamte Universum zu beschimpfen, bis deine Ikone das erste Mal ahnen lässt, dass sie dich bemerkt hat. Dann wächst du über dich hinaus, begeisterst und wirst göttlich - bis zur nächsten kalten Dusche. Es ist eine höchst anstrengende Achterbahnfahrt, die sobald du dich dauerhaft erhört wähnst, einer Zufriedenheit weicht, in der du dich so manches Mal nach der Ekstase zurücksehnst, als du nicht einsamer sein konntest als ohne deine große Liebe. Irgendwann weicht die Zufriedenheit gereizter Langeweile, dank der du deine Liebe zu verschlimmbessern beginnst, bis sie dir so sehr ähnelt, dass ihr gar nichts übrig bleibt als nach ihrem alten Ich zu suchen, das sie neben dir vermisst. Damit beginnt dann der Liebeskummer.

Wie Fernweh. Ich blättere dann in Reiseberichten, ohne zu ahnen, wer da schreibt. Als ich das erste mal einen Französischkurs besuchte und absolut nichts verstand, hab ich erst an der Sprache und dann an mir gezweifelt. Ich musste mir immer wieder sagen, dass sogar Russen es schaffen, französisch zu reden, obwohl sie noch weiter weg sind als ich. Als dann meine Enkelin zu reden begann und ich kein einziges Wort verstand, war die Sehnsucht dann aber doch größer als die Enttäuschung. Ich will sie besuchen, ohne mich englisch zu ihr durchfragen zu müssen. Auslöser für das ganze Durcheinander war die Begegnung mit einem Tunesier, der dem Gemüsehändler Lucien in "Die wunderbaren Geschichten der Amelie" ähnelte und sich als Sabah vorstellte, was ich als "Ca va?" deutete. Da er nicht sagen konnte, was er wollte, begann ich ebendiesen ersten Kurs, neben mir ein gebürtiger New Yorker, der ständig einschlief und beim Aufwachen aufsprang, den Schwamm nahm und alles fortwischte, was eben noch an der Tafel stand. Das war im August 2001.

Per Bodyscan & PMR oder Yoga. Die Erde trägt jeden. Wenn du ein Getragen-Sein zulässt, nimmst du nicht nur den anfänglichen Schmerz sondern allmählich auch Schwere, Wärme und Entspannung wahr. Wenn du frierst und das spürst, weil du dich nicht entspannen kannst, bist du dir zumindest näher als der Schmerz.

Repression durch weitere Repressionen zu erleichtern, ist ein nicht grad klientenzentriertes Konzept. Du machst den Betroffenen damit nur zum Spielball deiner Erwartungen, bis er sich gar nicht mehr zu träumen traut und wahnsinnig wird.

Bist du traurig? Echothymie ist häufiger, als es Alltag vermuten lässt. Selbstfürsorge ist kein Umweg sondern der direkte Zugang zu deinen Lieben. Indem du für dich selbst gut sorgst, ermutigst du sie, auch gut für sich zu sorgen, statt deinen Unmut starr zu erdulden.

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