Donnerstag, 18. Juli 2019

14:45 Ich finde es bedenklich, Originalzitat und redaktionell Bearbeitetes nur graphisch voneinander abzugrenzen. Wenn ein Redakteur den Text bearbeitet, aber trotzdem weiterhin die Ich-Form nutzt, als ob der Zitierte es ursprünglich so formuliert hatte, muss der Redakteur zumindest den eigenen Namen innerhalb des Satzes anstelle der Ichform nutzen, also sich als Journalist mit ER oder SIE im Text einführen - im Sinne von "XY fragt: Verstehe ich richtig, dass du dies und jenes sagen wolltest?" Sonst wird das Layout sinnlos, da es suggeriert, dass der Text so nur unvollständig vom Protagonisten freigegeben wurde, was bei einem Interview im Gegensatz zum Bericht über den Beschriebenen kritisch zu bewerten ist, suggeriert es doch verdeckten Datenzugang und damit Wallraff-Journalismus. Das Vorgehen hält mich zumindest davon ab, meine Daten dort einzuspeisen. Worte zu erpressen ist keine Pressearbeit sondern mafiöse Folter. Sonst könnte beispielsweise jeder Anästhesist je nach gusto intraoperativ entscheiden, was sein bis zu dem Moment ahnungsloser Patient entscheiden würde, wenn er noch wach wäre.

15:16 Die Chemitzer TU scheint Psyche und Seele lediglich medizinhistorisch zu trennen, was umso spannender ist, da die Chemnitzer keine medizinische Fakultät haben. Bei der in Köln beheimateten Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen tritt die Psyche lediglich innerhalb des Begriffes "psychosozialer Dienst" und nicht als behindertes Konstrukt auf, was vermuten lässt, dass das Handicap an die Integration in eine Gruppe gebunden ist und sonst lediglich das Leben bunt macht. Nicht umsonst beschreibt Intelligenz den Anpassungsgrad an die Gruppennorm.

15:37 Ich finde es riskant, den Reiz schneller Lösungen zu unterschätzen, wie sie biodynamische Wirkstoffe / Suchtmittel bieten. Antidepressiva werden oft als Retter in der Not erlebt, wenn das Zeitbudget der Klienten keine aufwendige Inventur zulässt, um die Ursache grundlegend auszuräumen. In einer Zeit, in der immer mehr auf der Überholspur leben, lässt sich Gruppe nicht rational entschleunigen. Dazu sind die Prozesse, die das Leben des Einzelnen bestimmen, zu sehr automatisiert. Themenreduktion ist kein freiwilliger Prozess. Gelebter Minimalismus erinnert in vielem an die chinesische Kulturrevolution. Und darauf würde es für die Gesamtpopulation hinauslaufen: Das von außen erzwungene Herunterschrauben der eigenen Ansprüche über das Drosseln von Zugangswegen zu Ressourcen.

16:05 In der Magic Cleaning nach Marie Kondo Gruppe hat inzwischen mancher Angst vor Regalen. Seine Habseligkeiten sind dann der Wertbeimessung zufälliger Besucher ausgeliefert. Schubladen und Schränke scheinen sich dort zum Must Have zu entwickeln. Das erinnert ein bisschen an #TaijinKyofusho. https://www.youtube.com/watch?v=6Gb2gfXX454

17:00 Ich erlebe es als großes Manko, wenn ich nur durch den Psychiater und nicht vom Hausarzt kassenvergütet Gespräche nach Rogers in der humanistisch orientierten Ergotherapie rezeptiert bekommen kann. Sobald der Psychiater das Bearbeiten von Selbstwert, Selbstbild und Selbstideal als Psychotherapie einordnet, wird dieses Stress- und Anpassungsmanagement Luxus, sobald ich parallel Psychoanalysen nutzen will. Dabei ist genau da Themenreduktion Arbeit, die Ergotherapeuten vertraut ist, die schon früher beim Flechten, Töpfern und Malen ähnlich intensiv zuzuhören gelernt hatten wie Friseure. Es ist angenehmer, nicht in eine Therapie hinein- statt nicht mehr aus ihr herauszukommen. Trotzdem ärgert es mich.

Holzbett: Paris bei Nacht from Christine Salzer on Vimeo.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.

Ist der Dativ Absicht? Oder war das wer wen wem nur zum Innehalten gedacht? Mir ist bewusst, das jemand, der als 33jähriger in der Psychiatr...