Samstag, 18. April 2015

riechen & schmecken

wahnsinn, wenn dein gegenüber wie ein ganzes maisfeld riecht, wie der leibhaftige wind ... und trotzdem verwechselt er dich mit der legarde. anatom zu sein, macht scheinbar nicht jeden glücklich. blickkontakt ... miteinander in bausteine aufzusplitten und diese bausteine einzeln zu vergüten kann unter umständen glücksbringender sein als eine lebenslängliche ehe. aber ist es bereits sozialismus, wenn du als öffentlicher mensch mit vielen menschen zusammenlebst? eine interessante Option, solange es nicht die eigene freiheit beschränkt. es ist schon abgefahren sich eine schilfmatte überm bett weben zu wollen, nur weil sich die eigenen eltern im wald auf den namen christine geeinigt hatten und irgendwann suizidrisiken bei mir witterten, obwohl es meine cousine war, die fünfmal versucht hatte, sich umzubringen. steckt todessehnsucht an? zersaust ... ich hatte in halle einen anatom, der schon früh am morgen wie eine schnapsleice roch. der hatte eine begnadete fantasie den suche ich in jedem alki. eigentlich quatsch und wirr. der hatte immer unmengen eukalyptusbonbons bei sich. seziersaal ist schon auch bühne. viel riechen konntest du da allerdings neben dem formalin nix. insofern hätte der alkohol auch gut und gern von der leiche her gekommen sein können. aber so weit war er wohl noch nicht. aber das grusligste ist, wenn du dann riechst, wie der körper sich selbst verdaut und der atem erdig wird. da ist menthol schon erlösend. er war sehr kommunikativ und hatte nicht nur eine einzelne message. ich hatte neben ihm kopf/hals präpariert - da meine bettnachbarin abgesprungen war, sogar links UND rechts. irgendwann habe ich dann das wohnheimzimmer gewechselt, aber da war das präparieren fast vorbei. während der zeit habe ich es genossen jederzeit kommen und gehen zu können. der leiche war das ja egal. im op habe ich dann eher darauf geachtet, dass ich einen stuhl habe, deshalb wollte ich anästhesist werden. es gibt kaum eine konstellation, bei der du als anästhesist nicht sitzen kannst, abesehen von der hypophysektomie.
bei der frau des hypophysektomieoperateurs bin ich zur psychotherapie.
das ist das präparieren eines gutartigen tumors, der aufgrund der lage frühzeitig entfernt werden muss. er wird durch die nase, vorbei an der struktur, über die du pheromone wahrnimmst, entfernt. aber die ist ja symmetrisch angelegt und du gehst nur durch 1 nasenloch. die umgebung nennt sich türkensattel, es ist en drüsiges gewebe, ein adenom der hirnanhangsdrüse. wenn du einmal in der aufwachphase dazu kommst, siehst du, was du deinem gegenüber mit dem eingriff zumutest. die ersten minuten danach sind maximalstress. ich war lieber im aufwachraum als im op. mit narkose redest du nix. dadurch ist das feedback nur über das monitoring möglich. immerhin machen opiate die phase licht und weit - daran kann man sich gewöhnen. die erhellen die dunkelste hütte. ich hatte mal geträumt, im entzug zu jobben, bis ich dann jemand beim unfreiwillig trockenen entzug in der geschlossenen erlebt hatte. da habe ich mich zurückgezogen, er brauchte extrem viel abstand. das habe ich allerdings erst begriffen, als er ausgang bekam, weil ich ihn begleitete. ich hatte das vorher nicht als conditio sine qua non erfasst, sodass ich nicht an irgendeine fluchtgefahr dachte, die dritte wittern könnten. flucht ins eigene leben als risiko einzuordnen, nur weil der gegenüber grad gewaltbereiter wirkt als sonst, ohne einordnen zu können, ob die eigene nähe grad gewalt triggert ... "dritte mitzudenken fällt mir schwer", hatte er damals gesagt und von entsprechenden gesprächen in der klinik erzählt, in denen er dieses mitdenken trainierte. ich hab ihn nie wieder zu treffen versucht. wozu auch. es ist sein leben, nicht meins. da braucht er mich nicht mitzudenken, nicht als dritte. ok, ich habe ihm, als ich ihn jahre später in einen anderen berliner ex-junkie wiederzuerkennen glaubte, auch übelgenommen, dass er in dieser phase schrauben visualisierte, die sich dem in den kopf bohrten wie bei der hirnstammnahen tens-elektroden-implantation, die ich in der zeit zwischen diesen beiden begegnungen im standby begleiten musste. aber während des standby war ich kein patient und konnte dementsprechend der anweisung zum standby schlecht widersprechen. erinnerungen haben eben keine exakte timeline. deshalb blogge ich, um sie zu entflechten. will sagen: trockener entzug ist eine nummer zu groß für mich, jedenfalls bei heroin. alkoholentzug zu begleiten reizt mich auch nicht mehr. ein versuch genügt. sonst komme ich genauso durcheinander wie bei den beiden hoffentlich-inzwischen-ex-junkies. wann ist frau tatsächlich psychiatrie-erfahren? wenn sie erstmals bereit ist fließbandmäßig loszulassen?

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