Freitag, 30. September 2016

Nachts im Kinderzimmer.

Oper Salome. Richard Strauss

Richard Strauss brachte 1905 mit Ernst Schuch Oscar Wildes „Salome“ als Oper am Königlichen Hoftheater, der heutigen Semperoper, zur Uraufführung. Es war damals ein Skandal. Die Geschichte stammte aus dem Markusevangelium: Salome, Stieftochter des Herodes, verlangte den Kopf von Johannes dem Täufer. Herodes gewährte Salomes Wunsch und veranlasste danach ihren Tod. Für diese Spielzeit wurde „Salome“ zum achten Mal neuinszeniert.

Ein alltagsnah ausgeleuchter mobiler Guckkasten schwebt in der jetzigen Fassung davon - Salomes rosiges Kinderzimmer. Hat sich das Auge an die monumentale Größe des Bühnenhauses gewöhnt, rückt der Raum auch schon wieder näher und ein vom Mond beschienener Wolkenvorhang verbirgt das Geschehen rundum. In die Sorglosigkeit der Szene hinein bricht galliges Fluchen.

Die diesmal blonde Salome befragt ihr Spielzeugs und ordnet das Giften alsbald dem von ihrem Stiefvater ergriffenen Missionar zu. Der bärbeißige Johannes hat aus dem Unten aufzutauchen, damit Salome zu ihm gelangt. Die Prinzessin betrachtet ihn und verliebt sich in seine Ruppigkeit. Der Täufer  kann nichts mit dem Groupie anfangen, weigert sich ihre Erwartungen zu bedienen und will sie lieber loswerden. Als Gefangener ist das keine leichte Aufgabe. Von Johannes abgewiesen verlangt Salome kurzerhand den Kopf ihrer Ikone vom Stiefvater, nachdem Herodes sich als pädophiler Grabscher outet und sie zu tanzen zwingt.

Die Oper verwurstet den Tanz zur Revue und verwertet dabei Salomes Groupie-Singsang zu reichlich nackter Haut. Noch im Kinderzimmer dreht der sonst offensichtlich unumschränkte Machthaber - durch seine eigene Aggressivität erregt - völlig frei, setzt nach gespielter Scham den Wunsch des notreifen Mädchens formal um, indem er den Messias köpfen statt dessen Visionen zu verinnerlichen. Hat der Despot dadurch doch die Möglichkeit vor den Augen des hilflosen Hofstaates alles töten, was ihm nicht unmittelbar erliegt.

So macht der Mann Salome folgerichtig strafmündig und beendet das Stück mit: „Tötet das Weib!“ Die Bühne leert sich. Was bleibt, ist der Kontrast zwischen Zwangsprostitution und dem Anspruch an missbrauchte Kinder auch in Ausnahmesituationen adäquat zu reagieren.

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