Freitag, 23. September 2016

Einander in Liebe ertragen?

Wer Zwangsprostitution isoliert verbietet, muss sie von anderer Prostitution sicher abgrenzen können. Zwangsprostitution ist logische Folge der Entmischung von Netzwerken und des damit entstehenden Kastenwesens im Kiez, das jedes Ehrenamt auf Marktkonformes reduziert, um justiziabel zu bleiben. Gerade im Bordell kann der Nutznießer von Zugewandtheit beim Gegenüber Zwangsprostitution kaum sicher ausschließen zumal er dessen Situation nicht auch nur annähernd ahnt. Inzwischen sind scheinbar auch von weiblichen Zuhältern flankierte Callboys dabei, weitere Marktlücken zu schließen, ohne erkennen zu lassen, woraus deren angeblich freier Wille resultiert. Was vor der Wende noch als Exhibitionismus galt, ist heute nackter Überlebenskampf, als bestünde keine Alternative, um die eigene Würde aufrechtzuerhalten. Zwangsprostitution ergibt sich bereits aus dem Bestehen einer wirtschaftlichen Notlage bei gleichzeitigem Fehlen des uneingeschränkten Rechtes auf Zugang zu vergüteter Arbeit bei zunehmender Globalisierung. Das zwingt auch bei Altersarmut zu Prostitution. Die kann auch als Sexualassistenz daherkommen. Dann wird zur Entlastung von Familie, Freunden und Nachbarschaft vom vergüteten Gegenüber 24-Stunden-Präsenz erwartet, für die er/sie den Lebensraum unterhalb des Mindestlohnes täglich teilt. Geschuldet ist das dem aufgrund eines Handicaps begrenzten persönlichen Budget des Zuwendungsempfängers. Das ist aber nicht mit selbstbestimmtem Leben vereinbar, sondern eher Geiselnahme. Mein Eindruck ist, dass sich da beim Pflegedienst im ambulanten Bereich zwingend verwirrende, wenn nicht sogar mafiöse Übergänge herausbilden, sobald die eingesetzten Personen nicht wohnortnah sondern kriegslogistisch erzwungen fern ihrer Ursprungsfamilie arbeiten. Dadurch entwickelt sich ausgehend vom Aupair-Gedanken in der Altenpflege ein Ausmaß an Kapital-gestützter Ausbeutung von Lebenszeit, das für mich vor der Wende unvorstellbar war.  Besonders die dabei entstehenden Netzwerke erfordern einen kritischen Blick auf systemische Zwänge aufgrund immanenter Interessendivergenzen.

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