Montag, 7. August 2017

autorisieren lassen! ensikat ... der kugelschreiber :(


Gesprächsmitschnitt zum Herkuleskeulen-Jubiläum 2011


Wie sind Sie auf die Idee gekommen her zu kommen?

Frank Schöbel: Ich bin nicht heute auf die Idee gekommen. Ich hatte zwar heute angerufen, aber das liegt länger zurück. 1983/84 hatten wir uns zu den Kabarett-Tagen in Gera getroffen. Ich hatte damals eine Stimmband-OP zum Knötchen-Abtragen. Endlich hatte ich mal Zeit, zu gucken, was ich bis dahin versäumt hatte: Kabarett, Oper, Schauspiel, alles querbeet, alle Kollegen, die ich sonst nicht sehen konnte. Kabarett ist meine große Liebe. Die kommen eigentlich gar nicht hinterher. Das Leben ist viel grausamer, als man es im Kabarett darstellen kann. Es passiert so viel im Leben. Nichts ist schlimmer als das Leben. Das Kabarett hat immer Mühe nachzukommen. Das hat man nach der Wende gemerkt. Da musste man die Programme total ändern, weil das Leben so schnell ist. Das Leben ist auch voll solcher Geschichten, die wir auch heute gehört haben. Zum Teil werden sie natürlich adaptiert und rumgedreht, zum Teil werden sie uns erlebbar gemacht, damit wir drüber nachdenken.

Sie als Inbegriff des positiven Denkens …

Frank Schöbel: Das ist nicht schlimm. Das Leben ist so. Ich bin durchaus positiv, aber ich kann auch gut über alles lachen, was so passiert.

Sie schalten schnell um.

Frank Schöbel: Damals war ich bei den Kabarett-Tagen mit der Kamera dabei, weil ich sehen wollte, was für Gags das waren. Ich wollte nicht klauen und mausen, aber sehen, was ich später für mich gebrauchen kann. Da spielten andere Dinge eine Rolle wie der Liedermacher Van Veen, den ich damals total toll fand. Mir war klar, dass ich das natürlich nicht genau adaptieren kann. Ich bin ein anderer Typ, ich kann das nicht machen. Aber es beeinflusst einen irgendwo. Wenn man Shows macht, kann man vielleicht solche Sketche spielen. So habe ich damals Stumpi als Klomann erlebt, den wir heute auch gesehen haben. Ich musste auch tierisch über ihn lachen. Wir sind ein bisschen Freunde geworden, haben uns privat mit Familie hin und her besucht. 1987 war es dann endlich soweit. Im Fernsehen war es damals schwierig, da durfte man manche Dinge nicht machen. Stumpi hat aber darauf bestanden, dass der Sketch so bleibt. Den hatte Wolfgang Schaller geschrieben. Daher rührt auch unsere Beziehung. Wir hatten ihn damals zu Hause Besuch von Dresden. Er hat den Sketch mehr oder weniger mit uns zusammen geschrieben. Der Sketch hieß „Guten Tag, ich will Schlagersänger werden.“ „Wieder ein Sozialfall. Noch einer, der nicht arbeiten will.“ Es waren auch ein paar kritische Dinge dabei. Wir waren eigentlich froh, dass er durchgegangen war damals, wie das so war im Fernsehen. Sonst war Kabarett hier in der freien Wildbahn eher möglich. Aber im Fernsehen war das schon etwas Besonderes. Das war die erste Begegnung. Seitdem beobachte ich immer, ob es im Fernsehen ist oder ob ich irgendwohin gehe. Er ist ein Wahnsinns-Kabarettist, der zum Teil die Wahrheit sagt, nur sie ein wenig nach oben wegkickt, wenn er über die Lehrer spricht, müsste man das im Detail nachweisen, das Stück, was er macht. Oder wenn er darüber spricht, dass die Amis Leute wie Bin Laden aufgebaut haben zu kämpfen. Die ganzen Widersprüchlichkeiten in der Welt, was wer wie wann gemacht hat, die wir alle vergessen haben, ruft er uns wieder ins Gedächtnis: Mensch, so war es ja, das ist die Wahrheit. Er erzählt eigentlich fast nur die Wahrheit. Wir lachen darüber. Wir müssten eigentlich heulen.

Was machen Sie selber für sich draus?

Frank Schöbel: Ich bin dafür da, Märchen für Große zu erzählen - das weiß ich auch – und zu singen. Ich bin auch so ein Typ. Aber ich habe auch schwarzen Humor und kann gut über solche Dinge lachen.

Es ist zum Teil zynisch.

Frank Schöbel: Ja, aber das Leben ist doch zum Teil noch viel zynischer. Was mit manchen Menschen gemacht wird, was wir heute gehört haben. Ich will es nicht wiederholen. Es ist so. Die rütteln uns nur wach.

Dieses Jammern, dieser Opferpassiv der Ostdeutschen und der Sachsen ist mir besonders aufgefallen, als ich den Düsseldorfer zwischendurch gehört habe. Da habe ich mehr Handlungsspielraum gesehen.

Frank Schöbel: Das verstehe ich jetzt nicht.

Als ich den Düsseldorfer erlebt habe, habe ich gedacht: Klar, hier kannst du was machen, hier kannst du was verändern, hier kannst du eingreifen.

Frank Schöbel: Ich weiß nicht, wer es gesagt hat, ich glaube Ensikat …

Bei Ensikat hörte mein Kugelschreiber auf zu schreiben. Seitdem habe ich das Diktiergerät an.

Frank Schöbel: Der ist natürlich toll. Ich hab von dem in der Berliner Zeitung eine Kolumne in meinem Buch verwandt, weil sie so brillant war und ist. „Deutsche Liebe von oben“, heißt das. Er vergleicht die „Frau DDR“ und den „Mann West“. Die heiraten. Eine deutsche Liebe von oben kennt nur eine Stellung. Ich überlege, weil Sie mich gefragt haben, was ich damit mache bei einer Show. Der Pop-Song und der Schlager vertragen nur bestimmte Dinge. Man will Leute nicht schockieren, dass sie denken, sie sind in der falschen Veranstaltung. Aber ein bisschen die Wahrheit sagen und auch ein bisschen was rauslassen, das werde ich auch machen. Nächstes Jahr habe ich 50 Jahre wie heute hier. Da werde ich das mit Tom Pauls machen. Da sind einige Dinge dabei, die einfach auf die Bühne gehören. Ich will die unterschiedlichen Genre Kabarett und Schlager – ich würde sie gar nicht so doll unterscheiden, aber es ist nun mal passiert – zusammenführen, dass die gut und friedlich auf der Bühne nebeneinander leben können. Ich sollte eigentlich heute hier singen, hat Wolfgang mich angerufen. Aber ich habe dann auch gemerkt, dass ich heute Abend nicht unbedingt auf die Bühne gehöre und besser zuschaue. Da hätte ich lieber nicht gesungen, sondern lieber etwas anderes gemacht, ein Stück mitgespielt.

Die bayrische Kalinka war gut.

Frank Schöbel: Die haben wirklich grandios gesungen. Text autorisieren wäre gut. Manchmal habe ich etwas zu schnell gesagt und es wird falsch verstanden.

Manche Tage sind wie ein Geschenk: Da hab ich nun drei Monate in Hendriks Großraumbüro zugebracht um den Schöbelblick zu spüren, war aber nicht Kamera genug für ihn, damit er mich überhaupt wahrnahm. Und plötzlich stehe ich vor dem Original. Dem von meiner Suche zu erzählen wäre Quatsch gewesen: Ich hatte Hendrik Jahre nach dem Groupie-Praktikum per Facebook gefragt, was er sieht, wenn er in die Kamera schaut. Hendrik sieht sich im Theater. Wie es sich anfühlt, wenn der Frank mich sieht? Es fühlt sich an wie daheim. Dabei hab ich mich im Großen Haus selten daheim gefühlt. Ihm zu erklären, warum es mich so sehr wunderte, das Ehring weniger destruktiv als Mcnep ist, hab ich mir nicht getraut. Dazu trauere ich dem verpassten Leben mit Mcnep noch zu sehr nach.

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Grit