Sonntag, 24. Mai 2015

Nachdem ich die Mallorca-Stille am Waldrand neben Hohen Eichen tatsächlich selbst während des Hochwassers 2002 genossen hatte, hatte ich mich eher überstürzt auf das Abenteuer Nähe auf einem Hinterhof mit mehreren Tanzclubs, Bandprobenräum, Ateliers und einer Theaterschule mitten in Striesen eingelassen, bei dem du Vögel maximal noch per Kopfhörer über Birdsingradio wahrnehmen kannst oder schon sehr früh aufstehen musst, um selbstbestimmt Geräusche einzufangen. Von Mehr-Generationen-Spielplätzen mit Campingplatz-Charme mitten in der Stadt ist hier nichts zu ahnen. Es ist fast so, als ob Kallinchen-Nostalgie, die Kuschelenergien im Rudel suggeriert, mehr als nur einen gemeinsamen Klangraum brauchte, mehr als einen Hinterhof, auf dem du bei offenen Fenster mitverfolgen kannst, wie zwei Wohnungen weiter ein kleiner Mensch das erste Mal Papa schreit. Warum auch nicht? Gelernt ist gelernt. Leise werden zu müssen, begreift sich früh genug. Jetzt gibt es ihn immerhin schon ein halbes Jahr lang. Es ist also an der Zeit, klarzustellen wer da das Sagen hat. Zu stillen war schon bescheuert. Hätte ich geahnt, wie schön das ist meinen Nachwuchs Lautfolgen artikulieren zu hören, hätte ich mir den Hautkontakt verkniffen. So ist er eben still geworden und der ideale Gegenüber bei überstürzten Entscheidungsfindungen mit dem Berufsziel Konferenzdolmetscher. Adrenalinarmut ist eben nicht jedermanns Sache. Meine inzwischen auch nicht mehr, auch wenn dazu erst eine Apherese nötig war, die mich per Anämie in den Dopaminmangel beamte, bei der jeder Wuttrigger willkommener Anlass für einen Ausbruchsversuch aus dem Volumenmangelschock war. Der nächste Ferritinsenkungsversuch folgte dementsprechend einer anderen Choreografie - als Rampensau und chemotherapierten Mauerblümchen - ok, zur Rampensau fehlt mir jegliches Charisma. Aber das Bewusstsein, da keine Zytostatika sondern lediglich E153 infundiert zu bekommen, hatte schon etwas Erhebendes, das verbunden mit einem eisgekühlen Latte Macchiato, Algensalat und einem Backfischbrötchen in den Wunsch mündete, baldmöglichst mit der Online-Redakteur-Ausbildung zu beginnen - wohlgemerkt per Telelearning und in Teilzeit, aber nicht ni einem Pauschalpaket sondern nach vorheriger Recherche nach dem jeweiligen Ausbilder innerhalb des Baukastensystems um abschätzen zu können, inwieweit sein Lehrziel mit meinen Heureka-Ambitionen übereinstimmt -weich, alldurchdringend und ewig.

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