Sonntag, 23. Dezember 2018

Ich bin Monitore mit Zahlen und Kurven gewohnt, die Raum für Fantasie lassen. Das wurde mir klar, als ich im Hygienemuseum arbeitete und noch in der Nähe meiner Eltern wohnte. Wenn ich ihr Haus betrat, saßen sie meist im Arbeitszimmer mit dem Rücken zur Tür und schauten fern. Aber an diesem Tag drehten sie sich nicht sofort zu mir um: Auf dem Bildschirm war eine Hand zu sehen, die eine Klinke herunterdrückte. Der Bildausschnitt entsprach dem, was ich grad sah. Der Film lief weiter, sodass ich den Zufall nicht kommentierte. Aber er beeindruckte mich. Als die Eltern sich umdrehten, schauten sie mich an wie eine Wahnsinnige. Es war ja auch Wahnsinn. Denn dieses Verschmelzen von Realem und Virtuellem erfordert sehr viel Arbeit und bringt verschwindend wenig Geld. Ich konnte es mir dementsprechend so nicht daheim vorstellen. Selbst im Hygienemuseum, das von genau diesem Verschmelzen lebt, ist es nur vergleichsweise lieblos umgesetzt. Die Cynetart ist ein Versuch spielerisch damit umzugehen. Aber der Moment bei meinen Eltern war damals als ob mir Gott persönlich ins Hirn scheißt: Du öffnest die Tür und siehst im Fernseher, was du vor dir siehst, wie in einem unendlichen Spiegel. Gestern hörte ich im Halbschlaf Spleth, erinnerte mich an den Moment und positionierte ihn sofort im Flur. Sogar die Eltern waren aus ihren Sesseln aufgestanden. Der Traum tat gut.
Ressourcenkonflikte 1:21 Hab jetzt an vier verschiedenen Stellen der Wohnung Kleber, um meinen Tag bewusster zu strukturieren und wieder mobil zu werden, ohne mich beim Beobachten beobachtet zu fühlen.
Fernsehprogramme 1:28 lassen ahnen, was kommt. Das verschafft die Illusion von planbarem Alltag selbst in ausweglosen Situationen.
Alltag 31.10. 2018 um 11:38 abstandgarant

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